Experimentelle Musik ist keine Stilrichtung, sondern eine Arbeitsweise. Es geht darum, eine Annahme wegzulassen, die sonst selbstverständlich ist: den festen Takt, die gewohnte Tonleiter, die Trennung zwischen Instrument und Geräusch. Was danach übrig bleibt, ist oft schwer zugänglich und für die Beteiligten der eigentliche Reiz.
Vieles davon entsteht im Moment. Zwei oder drei Musiker beginnen ohne Absprache, hören zu, reagieren. Ein solcher Abend lässt sich nicht wiederholen, und genau das unterscheidet ihn von einem Konzert, das eine Platte nachspielt.
Technik spielt eine große Rolle, aber nicht als Selbstzweck. Ein präpariertes Klavier, ein umgebautes Tonband, ein Verstärker, der zurückkoppelt: Immer geht es darum, einem Gerät etwas zu entlocken, wofür es nicht gebaut wurde.
Zuhören lernt man dabei mit der Zeit. Wer einmal die Erwartung an eine Melodie beiseitelegt, hört Struktur an anderer Stelle – in Dichte, Lautstärke und Stille. Die erste halbe Stunde ist fast immer die schwierigste.






